Ausgangspunkt waren Meldungen mehrerer Nutzer über Verluste von Kryptowährungen. Ledger startete daraufhin am 9. Oktober eine Untersuchung und bestätigte, dass Geräte des südostasiatischen Wiederverkäufers CryptoBilis manipuliert worden waren. Das Unternehmen verkauft physische Kryptowährungs-Wallets, die private Schlüssel für die Verwaltung und Autorisierung von Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten sichern.
Die Sicherheitsabteilung Ledger Donjon legte zuletzt weitere technische Details zu dem Implantat offen und bestätigte damit im Wesentlichen frühere Darstellungen von Mark Karpelès und Tibane Labs. Nach Angaben von Donjon erkennt und dekodiert der Mikrocontroller des Implantats die 24 Wörter umfassende Wiederherstellungsphrase, die zum Einrichten und Wiederherstellen der Wallet dient, und überträgt sie anschließend über LTE mithilfe einer eingerichteten eSIM.
Das Implantat ist eine eigenständige Komponente: Es verändert weder das Secure Element noch das Betriebssystem von Ledger und greift auch nicht in Transaktionen oder Signaturen ein. Genau deshalb bleibt es für die Integritäts-Selbsttests der Geräte unsichtbar.
Alle bestätigten Geldverluste betreffen laut Ledger Geräte, die über CryptoBilis verkauft wurden. Nutzer haben darüber hinaus jedoch kompromittierte Geräte gemeldet, die sie bei anderen Händlern in Asien und Europa erworben hatten. Genannt wurden unter anderem ein Metapod-Technikgeschäft an einem Flughafen in Singapur sowie MediaMarkt in Europa. MediaMarkt, das die Ledger-Geräte über den Distributor Aqipa GmbH bezieht, hat das Produkt nach diesen Meldungen aus dem Sortiment genommen.
Der von Ledger angeordnete Verkaufsstopp gilt für alle Distributoren in Indonesien, Singapur, Thailand, auf den Philippinen, in Vietnam, Malaysia und Hongkong und bleibt bestehen, bis die Untersuchungen zur Gerätesicherheit abgeschlossen sind. Das Unternehmen betonte, dass seine Infrastruktur, Systeme, Dienste und der Direktvertrieb sicher nutzbar seien.
Auch der Wettbewerber Trezor reagiert: Der Hersteller von Kryptowährungs-Hardware-Wallets will sein Händlernetz verkleinern, um die Aufsicht zu verschärfen und Angriffe über die Lieferkette zu verhindern. „Die Sicherheit der Lieferkette ist nie abgeschlossen, deshalb legen wir die Messlatte für jeden Partner, der mit Trezor weitermacht, höher — mit einem aktualisierten rechtlichen Rahmen und engeren Kontrollen, wie Geräte bezogen, gelagert und gehandhabt werden“, teilte das Unternehmen mit.
Trezor erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass eigene Geräte kompromittiert worden seien; man handle vorsorglich und zügig. In einem Schreiben an die betroffenen Wiederverkäufer kündigte das Unternehmen an, die Partnerschaften zum 1. Januar 2027 zu beenden; zu diesem Zeitpunkt werde die Berechtigung zum Verkauf von Trezor-Geräten entzogen.
