Chrome führt Webseiten-Code in zwei ineinander verschachtelten Sandboxes aus, die verhindern sollen, dass eine kompromittierte Seite den Rest des Rechners erreicht. Die Kette durchbrach beide Schichten. Am Ende lief Code außerhalb von Chrome unter Windows – ohne dass der Nutzer klicken oder etwas herunterladen musste.

Die drei Fehler lagen jeweils in einem anderen Teil des Browsers: Der erste verschaffte dem Angreifer Kontrolle über den Speicher innerhalb der JavaScript-Engine. Der zweite steckte im Code zum Lesen animierter WebP-Bilder und nutzte diese Kontrolle, um aus der inneren Sandbox der Engine auszubrechen und einen einzelnen, präzisen Schreibvorgang im Speicher des Rechners auszulösen. Der dritte betraf Crashpad, den außerhalb der Sandbox laufenden Absturzhandler von Chrome, und verwandelte diesen einzelnen Schreibzugriff in vollständige Codeausführung auf dem System.

Alle drei Lücken sind inzwischen geschlossen; laut XBOW wurden sie nie gegen Chrome-Nutzer eingesetzt. Die beiden mit öffentlicher Kennung versehenen Fehler wurden in Chrome 152.0.7977.65 am 25. August und in 152.0.7977.82 am 3. September behoben. Beide sind als hochgradig kritisch eingestuft und setzen voraus, dass der Nutzer eine Seite lädt. Chrome aktualisiert sich selbst, der Fix greift aber erst nach einem Neustart des Browsers – Nutzer sollten Chrome also neu starten und prüfen, dass die Version 152.0.7977.82 oder neuer installiert ist.

Die WebP-Lücke wurde im selben Chrome-152-Zyklus geschlossen, eine eindeutige öffentliche Kennung lässt sich dafür jedoch nicht bestätigen: Die in XBOWs Ankündigung für die WebP-Stufe genannte Nummer CVE-2026-85045 wird sowohl von Google als auch in XBOWs eigener technischer Aufarbeitung dem V8-Fehler zugeordnet. Googles Release Notes nennen Brendan Dolan-Gavitt von XBOW als Entdecker von zwei der drei Fehler und führen jeweils die Version auf, die sie behebt.

Die sechs Tage brauchen Kontext: XBOW baute die prämierte Kette zwischen Sonntag, dem 2. August, und Freitag, dem 7. August, während der Konferenzen Black Hat und DEF CON in Las Vegas. Diesem Sprint gingen Monate Vorarbeit voraus – das Unternehmen hatte sich die Aufgabe bei einem Mitarbeitertreffen im Januar auf Malta gesetzt, und die erste vollständige Chrome-Kette hatte zwei Monate gedauert.

Eine Variante der prämierten Kette wäre beinahe gescheitert, weil sich eine darin genutzte Schwachstelle als Google bereits bekannt herausstellte. Da XBOW den Exploit aus austauschbaren Bausteinen mit Ersatzkomponenten aufgebaut hatte, ließ sich der Baustein ersetzen, und die Kette hielt. Nach der eigenen Auswertung der Nutzungsprotokolle kostete der sechstägige Lauf rund 40.000 US-Dollar an KI-Gebühren.

XBOW grenzt ab, was die KI leistete und was die Menschen: Die KI-Agenten durchsuchten den Chrome-Quellcode, erprobten Ansätze, erstellten Proof-of-Concepts und schrieben die ersten Entwürfe des Exploits. Die Forscher wählten die Ziele aus, lieferten Kontext, hinterfragten die Ergebnisse der Agenten und entschieden, welche Teile zusammengefügt wurden.

Dolan-Gavitt, der die prämierte Kette gemeinsam mit den Agenten baute, schrieb: „Vor den LLMs hätte eine vollständige Chrome-Kette ein Team von vier Leuten etwa 6 bis 9 Monate gekostet, unsere erste Einreichung dauerte 2 Monate. Und die prämierte? Sechs Tage.“

Googles Chrome Vulnerability Reward Program zahlt für einen Full-Chain-Exploit bis zu 250.000 US-Dollar – der höchste Betrag für einen einzelnen Bericht – nach Regeln, die 2026 aktualisiert wurden. Höchstens vier solcher Prämien werden pro Jahr vergeben. XBOW bezeichnet die Auszeichnung als erste Full-Chain-Chrome-Prämie unter den Regeln von 2026 und als erste an ein autonom arbeitendes Sicherheitsunternehmen.

Vor dem Ausliefern der Fixes waren nach Unternehmensangaben schätzungsweise eine Milliarde Menschen, die Chrome unter Windows nutzen, einem solchen Angriff ausgesetzt. Gründer Oege de Moor betonte das Tempo: „Es brauchte geschätzt nur 40.000 Dollar an Rechenleistung und sechs Tage für einen einzelnen Forscher, um eine Kette zu produzieren, die früher Monate gedauert hätte.“ Dolan-Gavitt formulierte die Warnung an Verteidiger deutlich: „Sechs Tage und 40.000 Dollar sind nicht viel Zeit oder Geld, wenn die Ausbeute eine Chrome-Kette ist!“ Die Hürde sei nun deutlich niedriger: „Verteidigt euch entsprechend.“