Entdeckt wurde das Problem am 23. August von Forschern der Wordfence-Plattform des Unternehmens Defiant, die dafür ihr KI-gestütztes System Argus einsetzten. Auslöser ist ein PDF mit einem eingebetteten JPEG-2000-Bild: Ghostscript verarbeitet Samples mit geringer Bittiefe und nicht zusammenpassende Komponentenauflösungen fehlerhaft. Mit Argus entwickelten die Forscher zwei Exploits, die Ghostscript dazu bringen, 1.024 Byte in einen nur 256 Byte großen Puffer zu schreiben. Der dadurch beschädigte angrenzende Speicher ermöglichte in einer WordPress-Umgebung die nicht authentifizierte Codeausführung aus der Ferne.
Der Weg dorthin führt über die übliche Verarbeitungskette: Beim Erzeugen einer PDF-Vorschau kann WordPress die PHP-Erweiterung Imagick nutzen, die ImageMagick aufruft, das wiederum Ghostscript startet. Ghostscript selbst rendert PDFs als Bilder, erzeugt Vorschaugrafiken und optimiert PDF-Dateien, indem es eingebettete Bilder komprimiert und überflüssige Schriftdaten entfernt.
Die Forscher prüften zehn Linux-Umgebungen, darunter Debian, Ubuntu, Fedora, Alpine und AlmaLinux, sowie einen Snapshot des offiziellen WordPress-Docker-Images. In allen fand sich der verwundbare Code. Ob sich die Lücke tatsächlich auslösen lässt, hing allerdings stark von der Zielumgebung ab: In einem Laboraufbau führten die Forscher die Exploits 10.240-mal gegen Linux-Pakete aus, ohne Codeausführung zu erreichen. Auf einem eigens dafür aufgesetzten Testserver gelang sie dagegen. Erst das Anpassen der Schriften im PDF, der Spracheinstellungen, der Schriftkonfiguration sowie einer zentralen Systembibliothek ließ den Exploit funktionieren — und auch dann nicht zuverlässig.
Für eine erfolgreiche Ausnutzung in WordPress-Umgebungen nennt Wordfence vier Voraussetzungen:
- Ein Angreifer kann ein PDF hochladen, anonym oder über ein Konto mit geringen Rechten.
- Die Website verarbeitet dieses PDF, um eine Vorschau oder ein Thumbnail zu erzeugen.
- Die Verarbeitungskette erreicht Ghostscript, wobei Software und Richtlinieneinstellungen das Rendern von PDFs erlauben.
- Ghostscript enthält den ungepatchten, verwundbaren Decoding-Code.
Wordfence weist darauf hin, dass ein unverändertes WordPress keine anonymen Uploads in die Mediathek zulässt. Allgemein kann jede Anwendung betroffen sein, die von Angreifern gelieferte PDFs durch den betroffenen Ghostscript-Code rendert; ob dafür eine Authentifizierung nötig ist, hängt von der jeweiligen Anwendung ab. Auch außerhalb von WordPress sei die Lücke ausnutzbar, wenn der Payload an die Umgebung angepasst werde.
Artifex, der Betreuer von Ghostscript, veröffentlichte am 8. September einen Fix mit Version 10.08.0. Die Korrekturen wurden auch auf ältere Versionen zurückportiert; Anwender sollten die Revisionsdetails prüfen, um den Patch-Status zu klären. WordPress-Administratoren sollten über ihren Hosting-Anbieter sicherstellen, dass Ghostscript auf Version 10.08.0 oder neuer angehoben wurde. Beim Einsatz von Docker wird empfohlen, mit einem aktualisierten, gepatchten Basis-Image neu zu bauen und auszurollen. Ist ein Upgrade nicht möglich, sollten PDF-Uploads auf dem Server blockiert oder das PDF-Rendering in ImageMagick deaktiviert werden.
Angriffe auf CVE-2026-39919 in freier Wildbahn hat Wordfence bislang nicht beobachtet.
