Betroffene, denen Erpresser damit drohten, Nacktfotos oder andere sensible sexuelle Informationen an Familienangehörige und Arbeitgeber weiterzugeben, wandten sich nach Darstellung der FTC an DFC und wurden dort dazu gebracht, Tausende Dollar auszugeben. Für sogenannte Phase-1-Leistungen verlangte das Unternehmen zwischen 1.499 und 20.000 Dollar. Versprochen wurden laut Klageschrift unter anderem die Beendigung des Angriffs, die Ortung des Erpressers über eine „Tracking-Kampagne", ein detaillierter Ermittlungsbericht, die Benachrichtigung der Strafverfolgungsbehörden sowie der Versand einer Unterlassungsaufforderung.

Tatsächlich habe DFC nichts davon geleistet. „Statt über das Konto des Opfers mit dem Erpresser zu kommunizieren, ändern die Beklagten routinemäßig die Kontoeinstellungen des Opfers, nur um die Nachrichten des Erpressers zu blockieren", heißt es in der Klageschrift. „Statt Ermittlungsinformationen zu beschaffen, fabrizieren die Beklagten Chatprotokolle." Zudem habe das Unternehmen wiederholt zuvor gespeicherte Standortkoordinaten verwendet – typischerweise für Nigeria und die Philippinen –, um Kunden glauben zu machen, der Erpresser sei lokalisiert worden.

Für Verkaufsgespräche habe DFC ein Skript genutzt und die Argumentation an die jeweiligen Ängste der Betroffenen angepasst. Angehörigen des Militärs sei etwa eine unehrenhafte Entlassung in Aussicht gestellt worden, verheirateten Kunden die Warnung, der Erpresser könne sich an Ehepartner und Schwiegereltern wenden. „Die Beklagten stellen sich fälschlich als Experten für digitale Forensik dar und behaupten, sie könnten Sextortion-Täter aufspüren und identifizieren, die Verbreitung expliziten Materials verhindern und sich mit den Strafverfolgungsbehörden abstimmen, um Kriminelle zur Rechenschaft zu ziehen", so die Klageschrift.

Mitarbeiter des Unternehmens hätten Betroffenen erklärt, Strafverfolgungsbehörden würden ihnen nicht helfen. Das FBI empfiehlt Opfern seit langem, Erpresser zu ignorieren und zu blockieren; DFC-Mitarbeiter hätten Kunden dagegen gesagt, genau das sei „das Letzte, was man tun sollte".

Darüber hinaus bot die Firma laut Klageschrift „Phase 2"-Leistungen gegen weitere Tausende Dollar an. Obwohl Kunden erklärt worden sei, diese Stufe werde nur in seltenen Fällen angeboten, sei jeder Kunde zum Kauf gedrängt worden. Versprochen wurde dabei eine laufende Überwachung der Kundenkonten sowie des gesamten Webs, um weitere Angriffe abzuwehren.

Viele Kunden beschwerten sich unter Verweis auf eine vertraglich zugesicherte Rückerstattungsregelung, die das Unternehmen häufig nicht eingehalten habe. Zugleich soll DFC gefälschte positive Bewertungen eingesetzt und negative Bewertungen unterdrückt haben. Verärgerten Kunden seien gefälschte Webseiten des Better Business Bureau für Beschwerden genannt worden. Teilrückerstattungen soll die Firma davon abhängig gemacht haben, dass negative Bewertungen gelöscht werden. Gefälschte positive Bewertungen habe das Unternehmen eingekauft, indem es „Uber-Fahrer dafür bezahlte, erfundene Erfahrungsberichte mit gestellten Fotos zu veröffentlichen".

Nach Angaben der FTC gingen Hunderte Meldungen zu den Geschäftspraktiken von DFC ein. Das Unternehmen warb demnach über Such-, Videoplattform- und Social-Media-Dienste um Betroffene. Über den Fall entscheidet nun ein Bundesrichter. Auf eine Bitte um Stellungnahme reagierte DFC nicht.

Im März 2025 hatte USA Today eine Enthüllungsgeschichte über DFC veröffentlicht, die ähnliche Vorwürfe erhob. Dort hieß es unter anderem, DFC habe Kunden Ratenfinanzierungen mit Zinssätzen von bis zu 18 Prozent angeboten und sie dutzendfach angerufen, um Zahlungen einzutreiben.