Gastgeber der als Joint Disruption Week bezeichneten Zusammenarbeit war die britische National Crime Agency (NCA), die das Treffen in der vergangenen Woche in London ausrichtete.

In Ghana durchsuchten die Behörden nach Angaben des US-Justizministeriums ein Anwesen in Sasaabi, einer halbländlichen Gemeinde außerhalb der Hauptstadt Accra. Dort wurden 19 Personen festgenommen und 303 Geräte beschlagnahmt. In Nigeria kamen neun weitere Festnahmen hinzu.

Die ghanaische Polizei identifizierte zudem 117 Menschen, die das Justizministerium als Opfer von Menschenhandel bezeichnete. Sie seien „gerettet" worden und warteten nun auf die Rückführung nach Nigeria. Daneben wurden 89 Betrugsopfer ermittelt, deren Schaden auf rund 8,3 Millionen US-Dollar geschätzt wird.

„Diese Netzwerke stehlen auf der einen Seite des Bildschirms Ersparnisse und auf der anderen Seite die Freiheit von Menschen", sagte Matthew Floyd, stellvertretender Leiter in der Criminal Division des FBI.

Nach Darstellung des Justizministeriums entfernten die beteiligten Technologieunternehmen mehr als 3,7 Millionen Konten, Seiten und Gruppen, die mit den westafrikanischen Betrugszentren in Verbindung standen. Rob Cochrane von Meta nannte dieselbe Zahl allein für Facebook und Instagram. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Unternehmen legte das Ministerium nicht vor.

„Zu den gestörten Maschen gehörten Betrugsfälle mit vorgetäuschten Strafverfolgungsbehörden, digitale ‚Verhaftungs‘-Erpressungen, Anlagebetrug mit Kryptowährungen (auch bekannt als ‚Pig Butchering‘) sowie eine Reihe weiterer Online-Betrugsoperationen, die sich gegen Opfer weltweit richteten", erklärte das Justizministerium.

Im Anschluss an die Polizeimaßnahmen in Westafrika wurden nach Angaben der Beteiligten Vermögenswerte von mehr als elf Millionen US-Dollar identifiziert, die „potenziell einfrierbar" seien. Wie viel davon tatsächlich eingefroren oder beschlagnahmt wurde, blieb offen. Das Auffinden von Vermögenswerten bezeichnete FBI-Vertreter Floyd als „den einfachen Teil".

Nick Sharp, stellvertretender Direktor für Betrugsbekämpfung bei der NCA, sagte, es sei noch nicht bekannt, wie viele britische oder amerikanische Opfer die Betrugszentren ins Visier genommen hätten; die forensische Auswertung der beschlagnahmten Geräte dauere an.

Die Rolle von Meta

Jeanine Pirro, US-Staatsanwältin für den District of Columbia, erklärte, die Operation habe mit Informationen von Meta begonnen. Auch die NCA schrieb dem Unternehmen eine „Schlüsselrolle bei der Koordinierung der Veranstaltung und bei der Förderung einer breiten Beteiligung des Privatsektors" zu, um die Störung der Betrugszentren zu maximieren.

Pirro, früher Moderatorin bei Fox News und langjährige Verbündete von Präsident Donald Trump, sagte, sie sei „sehr stolz, mit Meta zusammenzuarbeiten". Alle beteiligten Unternehmen hätten „freiwillig Betrugsinfrastruktur gestört", fügte sie hinzu: „Und Gott sei Dank für sie."

Das Lob fällt in eine Zeit, in der Meta wegen Betrugs auf seinen Plattformen unter Beobachtung steht und in der die Frage gestellt wird, ob für das Unternehmen überhaupt die richtigen Anreize bestehen, solchen Betrug konsequent zu bekämpfen. Eine Reuters-Recherche aus dem vergangenen Jahr berichtete unter Berufung auf interne Unternehmensdokumente, Meta habe prognostiziert, dass rund zehn Prozent seines Umsatzes für 2024 — etwa 16 Milliarden US-Dollar — aus Anzeigen stammen würden, die mit Betrug und verbotenen Waren in Verbindung stehen. Meta bestreitet diese Zahl und erklärt, Betrug untergrabe das Vertrauen, auf das sein Werbegeschäft angewiesen sei.

Im November vergangenen Jahres forderten die Senatoren Richard Blumenthal (Demokraten, Connecticut) und Josh Hawley (Republikaner, Missouri) die Federal Trade Commission und die Securities and Exchange Commission auf zu untersuchen, ob Meta von Betrugswerbung profitiert habe und ob behördliche Maßnahmen angezeigt seien.

Andere Abgeordnete drängen auf weitergehende Änderungen: Im Februar brachten die Senatoren Ruben Gallego (Demokraten, Arizona) und Bernie Moreno (Republikaner, Ohio) den parteiübergreifenden SCAM Act ein. Er würde soziale Netzwerke verpflichten, „angemessene Schritte" zur Überprüfung von Werbetreibenden und zur Bekämpfung betrügerischer Anzeigen zu unternehmen — andernfalls drohten Maßnahmen der FTC und der Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten.

Anfang dieses Jahres unterzeichnete Trump eine Executive Order zu Cyberkriminalität, Betrug und Betrugszentren. Sie betont die Koordination der Strafverfolgung, Diplomatie und Entschädigung der Opfer, statt den Plattformen direkte neue Pflichten aufzuerlegen.

Auf die Frage, ob Meta künftig für alle Werbetreibenden eine Identitätsprüfung verlangen werde, verwies Cochrane auf bereits bestehende Ziele für die Verifizierung von Werbetreibenden mit hohem Risiko. Das Unternehmen strebt an, dass verifizierte Werbetreibende bis Ende 2026 für 90 Prozent seiner Werbeeinnahmen stehen — derzeit sind es 70 Prozent. Die verbleibenden zehn Prozent entfielen auf risikoarme, nicht verifizierte Unternehmen wie „lokale Eisdielen".