Nach Angaben des französischen Senders BFMTV waren rund 300 Filialen von Intermarché und Netto sowie weniger als 100 Märkte von Coopérative U betroffen.
„Ich bestätige, dass seit vergangener Nacht ein Cyberangriff die Kälteerzeugungsanlagen mehrerer Filialen unseres Netzes beeinträchtigt", erklärte Dominique Schelcher, Vorstandschef von Coopérative U. Die Teams seien „vollständig mobilisiert, in Abstimmung mit Kältetechnik-Spezialisten, um die Lage so schnell wie möglich wiederherzustellen". Es sei „von äußerster Schwere und beispiellos", Anlagen anzugreifen, die für die Haltbarkeit frischer Produkte und die Lebensmittelversorgung der Franzosen unverzichtbar seien: „Das ist inakzeptabel."
Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI teilte schriftlich mit, sie sei „zur Bearbeitung dieses Vorfalls mobilisiert" — sowohl national zur Unterstützung möglicher Betroffener als auch auf europäischer Ebene zur Abstimmung mit den Partnerbehörden.
BFMTV zufolge handelt es sich bei den betroffenen Systemen um Kältesteuerungen des dänischen Herstellers Danfoss; die Angreifer hätten es auf ältere Softwareversionen abgesehen. Die Groupement Mousquetaires, zu der Intermarché und Netto gehören, erklärte, die betroffenen Systeme würden von Danfoss verwaltet; es sei Sache des Lieferanten, Strafanzeige zu erstatten. Danfoss hat öffentlich nicht bestätigt, dass seine Systeme das Ziel waren; ein Sprecher reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.
Sicherheitsforscher hatten bereits zuvor auf Schwächen in Danfoss-Kältesteuerungen hingewiesen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die US-Behörde CISA einen Hinweis zu drei dieser Schwachstellen. Forscher von Claroty Team82 zeigten anschließend, dass eine kompromittierte Steuerung die Kühlung abschalten und dem Personal gleichzeitig normale Temperaturen melden kann. Sie zählten mehr als 2.700 solcher Geräte, die aus dem Internet erreichbar waren. Ob diese Lücken bei dem Angriff vom Sonntag genutzt wurden, ist nicht bekannt.
