Als Schwerpunkte des Übernahmeinteresses nennt Momentum Cyber Identitäts- und Zugriffsmanagement, nicht-menschliche Identitäten, Datensicherheit, Sicherheit für agentische Systeme, Laufzeitschutz sowie die Absicherung von Betriebstechnik (OT).

Fortschritte beim Einsatz von KI für Cybersicherheit — etwa Anthropics Basismodell Mythos — und das Aufkommen KI-automatisierter Angriffe hätten bei den Dealmakern ein Gefühl der Dringlichkeit ausgelöst, sagt Eric McAlpine, Gründer und CEO der in Austin ansässigen Firma. „Wir haben ein solches Tempo noch nie gesehen", so McAlpine. „Ein Unternehmen muss nicht nativ-agentisch sein, aber es wird KI-first sein, und ich glaube, das sieht man heute bei vielen dieser Deals."

2025 hatte der Übernahmemarkt sowohl beim Volumen mit 404 Deals als auch beim Wert Rekorde gesetzt: 97 Milliarden US-Dollar gaben Unternehmen für den Kauf von Start-ups aus. In die vergangenen zwei Jahre fielen auch sehr große Transaktionen, darunter Googles Kauf von Wiz für 32 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.

In diesem Jahr verfolgen Investoren einen zweigleisigen Ansatz bei KI: Sie finanzieren Start-ups in frühen Phasen, um KI-native Kategorien zu entwickeln, während größere Unternehmen KI-Start-ups kaufen, um eigene Fähigkeiten auszubauen. Beispiele dafür sind der Kauf von Oasis Security durch Cyera für eine Milliarde US-Dollar sowie die beiden Zukäufe von Cisco: Astrix Security und WideField Security.

KI habe den Markt beschleunigt, den Inkubationszyklus für Start-ups verkürzt und Deals schneller gemacht — schneller sogar als seinerzeit die Investitionsmärkte für Cloud und Software-as-a-Service, sagt Zane Lackey, General Partner beim Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz. „Wir sehen den Innovationszyklus, den Kaufzyklus, den M&A-Zyklus — alles ist im Vergleich zur Cloud wahnsinnig zusammengestaucht. Ich meine, es fühlt sich gerade so an, als wären wir in einem ganz frühen Stadium dieses gesamten Superzyklus", sagt er. „Von der Seite des Unternehmensaufbaus her ist jetzt das absolute goldene Zeitalter, um ein Unternehmen aufzubauen oder in Unternehmen zu investieren."

Jahresbeginn mit Kurssturz

Zu Beginn des Jahres 2026 sah das Bild noch deutlich weniger erfreulich aus. Anfang Januar 2026 kam es bei SaaS-Unternehmen zu erheblichen Verkaufswellen an der Börse, ausgelöst durch die Befürchtung, KI-Modelle könnten deren Dienste rasch ersetzen. Kurz darauf gerieten auch die Aktienkurse großer Cybersecurity-Unternehmen unter Druck, weil Anleger fürchteten, sie würden ebenfalls Opfer der sogenannten „SaaS-pocalypse".

Zwischen dem 28. Januar und dem 23. Februar 2026 verloren:

  • CrowdStrike 26 Prozent
  • JFrog 42 Prozent
  • Tenable Holdings 20 Prozent
  • Zscaler 28 Prozent

Diese Sorgen erwiesen sich als übertrieben. Die meisten Unternehmen haben sich erholt und liegen inzwischen deutlich darüber: CrowdStrike steht seit Jahresbeginn 127 Prozent im Plus, JFrog 72 Prozent, Tenable 68 Prozent. Nur Zscaler notiert noch 3 Prozent unter dem Jahresanfangswert, hat seine Verluste aber weitgehend aufgeholt. Die Angst vor KI-gestützten und vollautomatisierten Angriffen hat Sicherheitsfähigkeiten für Unternehmen, die agentische KI einsetzen, zur Notwendigkeit gemacht.

Auch die Investitionen in Sicherheitsfirmen gerieten zwischenzeitlich ins Stocken, haben sich seitdem aber erholt, sagt McAlpine. „Wegen der SaaS-pocalypse und des Mythos-Schrecks Anfang des Jahres haben sich viele Private-Equity-Firmen entschieden, ihre Portfoliounternehmen zu behalten, die sonst jemanden wie mich beauftragt hätten, sie an den Markt zu bringen — sie haben das aufgeschoben", sagt er. „Meine Prognose ist, dass wir in sechs Monaten eine stärkere Rückkehr zur Normalität sehen werden und dass Private-Equity-Firmen den Verkauf ihrer Portfoliounternehmen in einer Art und einem Tempo betreiben, wie wir es in diesem Jahr nicht gesehen haben."

KI überall

Übernahmen im Bereich KI-Sicherheit sprangen nach Daten von Momentum Cyber in den ersten drei Quartalen auf 40 Deals — gegenüber 10 im gesamten Vorjahr. Der Begriff „KI-Sicherheit" erfasse allerdings nicht, wie integral KI für Cybersicherheit geworden sei, sagt McAlpine: KI werde rasch Teil jeder Kategorie. Die firmeneigene Taxonomie mit einem Dutzend Sektoren und 62 Untersektoren könnte daher deutlich einfacher werden, scherzt er. „KI verwischt die Grenzen so schnell, dass die nächste Version, die wir wohl nächstes Jahr herausbringen, womöglich aus drei Megakategorien besteht: KI für Sicherheit, Sicherheit für KI und alles andere."

Zwei Märkte: Übernahmen gegen Finanzierungen

Der Wettlauf um die Finanzierung von Unternehmen verlaufe weit weniger hektisch als der um den Zukauf von Fähigkeiten, sagt McAlpine. „In der Finanzierungswelt sehen wir einen deutlich kritischeren Blick darauf, wo Wagniskapitalgeber und Private-Equity-Firmen ihre Wetten platzieren", sagt er. „Geringeres Gesamtvolumen, weniger Deals, aber größere Schecks." Im Fokus stünden Gründer mit nachweisbarer Erfolgsbilanz.

Weil sich Fähigkeiten und Markt so schnell bewegen, beobachtet McAlpine einen „Finanzierungspfad von Seed bis C": „Was vor fünf Jahren traditionell eine Seed-Runde, eine Serie A, eine B und eine C gewesen wäre, ist heute gleich zu Beginn ein einziges Finanzierungspaket."

Zudem treiben branchenfremde Unternehmen Innovationen bei Cybersicherheit und KI-Sicherheit voran: SaaS-Anbieter konzentrieren sich auf die Absicherung agentischer Workloads, OT-Firmen müssen die Agenten kontrollieren, die Geräteflotten verwalten. Die Schmerzpunkte seien jedoch überall ähnlich, sagt Lackey: „Es gibt drei große Töpfe, aus denen dieser Schmerz besteht — erstens Angriffe, zweitens technologischer Wandel und drittens Compliance. Von den ersten beiden erleben wir gerade enorme Mengen, und alle wissen, dass auch das dritte kommt."

McAlpine erwartet ebenfalls, dass die nächste Käufergeneration für Cybersicherheit von außerhalb der klassischen Sicherheitsbranche kommen könnte. Er sieht die Hyperscaler und die Frontier-Labs selbst als künftige Käufer eines großen Teils der Sicherheitskompetenz. „Es ist kein Geheimnis, dass Sicherheit eine der vorherrschenden Sorgen an der Frontier ist", sagt er. „Sie müssen KI und Cyber in den Griff bekommen, und hier steht viel auf dem Spiel."